Feiert die Gemeinde Gottesdienst oder schaut sie etwa nur zu?

Kurzfassung und Gesprächsergebnis

In folgenden Punkten wurde Übereinstimmung festgestellt:

Liturgie in Bewegung

  1. Die Vielfalt des gottesdienstlichen Lebens, das auf die mannigfaltigen Glaubens- und Lebenssituationen in Pfarr- und Personalgemeinden eingeht, wird anerkannt und gefördert.
  2. Es wird zur Kenntnis genommen, dass sich Personen, Familien und Gruppen auf ihrem spirituellen Weg während bestimmter Zeiten der Eucharistiefeier enthalten.
  3. Die Bistumsleitung sorgt dafür, dass folgende Aufgaben angepackt oder gefördert werden:
    a) einen Überblick über die Vielfalt des gottesdienstlichen Lebens gewinnen und Empfehlungen zur weiteren Entwicklung erarbeiten;
    b) religionspädagogische und theologische Fachpersonen gewinnen, die den «Liturgiegruppen» und «Trägerkreisen» Beratung und Begleitung, Evaluation und Kurse anbieten.

Wort und Sprache

  1. Die Berufung und hohe Verantwortung aller Getauften, den Glauben zu leben und zu verkünden, wird weiter bewusst gemacht und vertieft. Es werden Wege gesucht, auch in amtlichen Dokumenten missverständliche Begriffe wie «Klerus» und «Laie» bzw. «Laiin» zu meiden.
  2. Die Bistumsleitung sorgt dafür, dass folgende Aufgaben wahrgenommen werden:
    a) Lektorinnen und Lektoren werden in Aus- und Weiterbildungskursen dazu geschult, von sich aus behutsam die «inklusive Sprache» zu wählen und die Vorlagen in diesem Sinn in den heutigen Verstehenshorizont zu übertragen.
    b) Lektorinnen und Lektoren werden eingeladen, sich in Weiterbildungskursen mit Fragen der liturgischen Leseordnung und der entsprechenden biblischen Texte auseinander zu setzen, so dass sie erfahren, warum sie am Schluss jeweils «Wort des lebendigen Gottes» sagen.

Gesang und Musik

  1. Die Pfarreien und Kirchgemeinden werden aufgerufen, die Bedeutung der Kirchenmusik anzuerkennen und bei Sparzwängen den Rotstift nicht bei diesem Verkündigungsdienst anzusetzen.
  2. Es werden geeignete Massnahmen in folgender Richtung gesetzt:
    a) Den Pfarreien und Kirchgemeinden die Wichtigkeit des Kantoren- und Kantorinnendienstes bewusst machen und entsprechende Kantorats-Kurse konzipieren und anbieten.
    b) Die Personen, die in der Seelsorge und in der Katechese wirken, in der Ausübung des Gesangs fordern und fördern.
    c) Empfehlungen zum liturgischen Einsatz populärmusikalischer Elemente erarbeiten (Songs- und Hits).
    d) Bei der Weiterentwicklung des Kirchengesangs auf die gemeindebezogene Spiritualität der Liedtexte und auf die praktische Singbarkeit achten.
    e) Den Gesang im Religionsunterricht als katechetisches Element fördern.

Dienst an der Versöhnung

  1. Es wird festgestellt, dass die liturgische Feier der Versöhnung in vielfältigen Formen begangen wird.
  2. Neben der sakramentalen Form werden wieder bewusster andere Traditionen aufgegriffen, so auch «sakramentelle» Dienste an der Versöhnung durch nichtordinierte Seelsorgerinnen und Seelsorger.
  3. Es müssen neue Zugänge zur Feier der Versöhnung gesucht werden.

Feier des Wortes und Feier der Eucharistie

  1. Es gehört zur Berufung jeder Pfarr- und Personalgemeinde, an jedem Sonntag einen Gottesdienst für alle zu feiern. Wenn keine Eucharistiefeier möglich ist, gilt die «Feier des Wortes» als ordentlicher Sonntagsgottesdienst.
  2. Im Blick auf die Pastoral- und Personalplanung kommt mehr und mehr der Grundsatz zum Tragen, dass jede Gemeinde eine einzige sonntägliche Eucharistiefeier begeht. Daneben soll sie zu anderen Gottesdiensten einladen, die den Möglichkeiten und den Glaubenssituationen weiterer Kreise entsprechen und der Verkündigung dienen.
  3. Wortgottesfeiern ohne Austeilung der Kommunion haben eine eigenständige Bedeutung. Wenn die Kommunion ausgeteilt wird, ist der Bezug zur Eucharistiefeier bewusst zu machen.
  4. Es wird ein einfacher Weg gesucht, um den Glaubenden, auch solchen aus anderen Konfessionen, den Gewissensentscheid zum Kommunionempfang zu ermöglichen.
  5. Die Pastoral- und Pfarreien-Planung geht nicht von der (noch) vorhandenen Zahl von Priestern aus, sondern von den neu wachsenden Lebensräumen.

Liturgie und Leitungsvollmacht

Es wurde übereinstimmend festgestellt: Die älteste katholische Tradition kennt den Grundsatz: Wer Gemeinde leitet, soll auch mit ihr die Eucharistie feiern; die «Liturgievollmacht» leitet sich gemäss biblischem Befund von der Leitungsvollmacht her – nicht umgekehrt.

Liturgie und spirituelle Erfahrung

Es wurde zustimmend und dankbar zur Kenntnis genommen, wie die Liturgie in unserem Bistum die spirituelle Erfahrung nährt.

Im Weiteren hat die Themengruppe C gegenüber der Delegation der Bistumsleitung folgende Postulate, Vorschläge oder Anregungen formuliert:

Liturgie in Bewegung

Die Bistumsleitung stellt eine interaktive Internet-Plattform für Gottesdienstgestaltung zur Verfügung, bei der auch pdf-Dokumente abgerufen und heruntergeladen werden können.

Wort und Sprache

Die Bistumsleitung nimmt zustimmend zur Kenntnis, dass Bibeltexte in den Gottesdiensten zunehmend nach neueren Übersetzungen vorgetragen werden.
Überlieferte Gebetstexte, etwa die klassischen Orationen, sind in eine Sprache zu übertragen, die mitten ins Herz trifft. In diesem Sinn setzt sich der Bischof gemeinsam mit anderen Bischöfen dafür ein, dass die neue Übersetzung des Missale Romanum auf die Anliegen unserer Gottesdienstgemeinden eingeht.

Dienst an der Versöhnung

Es wird vorgeschlagenen, einen Überblick über die vielfältigen Versuche von «Versöhnungswegen» im Bistums Basel zu gewinnen, die Erfahrungen zu bewerten und zukunftsweisende Empfehlungen herauszugeben.

Liturgie und Leitungsvollmacht

Damit dem erwähnten Grundsatz entsprochen werden kann, nahm die Delegation der Bistumsleitung das Postulat entgegen, dass die Zulassungsbedingungen zur Priesterweihe erweitert werden.

Die Delegation der Bistumsleitung nahm zur Kenntnis, dass die Themengruppe C eindringlich folgende Überzeugungen vertrat:

  1. Die Priesterweihe von verheirateten Männern ist eine alte und bewährte katholische Tradition. Es gibt keine theologischen Gründe gegen die Priesterweihe von Frauen.
  2. Die Erweiterung der Zulassungsbedingungen ist nicht primär mit pastoralen Notwendigkeiten zu begründen. Es handelt sich vielmehr um eine Frage der theologischen Gerechtigkeit.
  3. Die Bewertung der Krise, in die das priesterliche Amt und die Seelsorge in Orts- und Personalgemeinden geraten sind, entscheidet sich an der unterschiedlichen Beurteilung der Zeichen der Zeit (z. B. durch den Bischof von Rom und das gesamte Bischofskollegium und durch andere Menschen in der Kirche).
  4. Die Gemeinden werden ermuntert, dafür zu beten, dass in der Kirche gemeinsam die Zeichen der Zeit erkannt und das Wirken des Geistes gedeutet wird.

Liturgie und spirituelle Erfahrung

  1. Erfahrene Meisterinnen und Meister der Meditation und Kontemplation bilden einen «Rat der christlichen Spiritualität». Sie sammeln Zeugnisse und Erfahrungsberichte bezüglich «Liturgie und Spiritualität» und veröffentlichen eine Zusammenfassung, verbunden mit Empfehlungen.
  2. Mit geeigneten Massnahmen wird auch die spirituelle Bildung durch Kunst und Architektur gefördert.