Sich erklären und verstehen –
eine neue Kommunikationskultur – Einladende Kirche sein

Kurzfassung und Gesprächsergebnis

Zusammenfassende Erkenntnisse und Erwartungen, aus der Arbeitsgruppe Kommunikation:

  • In einer geschwisterlichen Kirche ist es wichtig, dass wir nie so reden oder handeln, als könnten wir auf den Andern – auf den Mitmenschen also – verzichten.
  • Aus dieser Sicht dürfen und müssen an die Bistumsleitung aufgrund ihrer Autorität und spirituellen Reife höhere Erwartungen im Zuhören und im Vergeben gestellt werden, auch wenn wir alle hoffen, zu solchem Verhalten ebenfalls fähig zu werden. Wir erwarten, dass jedes Seelsorgeteam und auch das Team der Mitarbeitenden des Ordinariates in der heutigen vielerorts verworrenen Situation sich auch immer wieder bewusst zu einer Übungsgemeinschaft in der Vergebung entwickelt.
  • Wir bitten alle, die an die Grenzen der Kommunikation stossen, nicht mit einem Ultimatum das gegenseitige Vertrauen zu unterbinden oder gar das Gespräch endgültig abzubrechen. Wo es keine Einigung braucht oder wo keine Einigung möglich erscheint, kann man die Uneinigkeit transparent machen. Die bestehende Brücke zum Anderen – zum Mitmenschen also – sollte dabei nicht abgerissen werden.
  • Zu fordern und zu fördern ist eine Überprüfung und Klärung der kommunikativen Möglichkeiten und Chancen auf jeder der oben erwähnten Ebenen. Als konkrete Massnahme sei Folgendes empfohlen: Jede kirchliche Publikation und Reaktion (vor allem auf diözesaner Stufe!) ist vor ihrer Veröffentlichung im Rahmen einer kritischen und kompetenten Gegenlesekultur auf ihre allgemeine Verständlichkeit und ihre adressatengemässe Sprache zu überprüfen.
  • Als Christinnen und Christen sollten wir immer wieder auch unsere eigenen Emotionen reflektieren. Wir würden dann „unsere Wahrheit“ wohl öfters weniger „wie einen Kübel kalten Wassers“, sondern mehr „wie einen wärmenden Mantel“ präsentieren. Fairness und Sachlichkeit auch bei kämpferischen Auseinandersetzungen lassen Veränderungen beim Gegenüber auch eher zu als der Kampf mit harten Bandagen.
  • Liturgische Texte (Gebete, Lieder und Bibeltexte) sollten überarbeitet und in einer zeitgerechten verständlichen und dennoch kultivierten Sprache formuliert werden. Bei Neuauflagen müsste wo immer möglich auch die weibliche Form verwendet werden.
  • Um christliche Werte glaubwürdig und in unserem Alltag wirksam werden zu lassen, braucht es Menschen, die durch ihr Reden und Handeln selbst sichtbar und überzeugend versuchen, christlichen Werten zum Durchbruch zu verhelfen.
  • Wir wünschen ein transparentes Verfahren, welches aufzeigt, in welcher Weise „Denunziationen“ und „anonyme Anschuldigungen“ bei der Bistumsleitung bearbeitet werden und welche Rechtsmittel den Betroffenen zur Verfügung stehen. Diese Verfahrenssicherheit könnte eine Rechtssicherheit schaffen, die das Vertrauen in das Wohlwollen der Bistumsleitung erhöhen würde.
  • Wir erwarten von der Bistumsleitung, dass sie eskalierenden Konflikten im Bistum mit geeigneten Massnahmen in entspannender Weise entgegenwirkt
  • Für eine Konfliktlösung bräuchte es vor jeglicher „Rechthaberei“ und vor jedem paragraphengläubigen Rechtsanspruch in vielen Fällen zuerst den Einsatz von Mediatoren und Ombudspersonen und dann erst – wenn überhaupt noch nötig – Juristen und Anwälte. Hilfreiche Vermittlung ist oft christlicher als ein unbarmherziges Urteil!

Es braucht viel Inspiration, um heute aus dem Gejammer von „zu wenig Zeit“ „zu wenig Geld“, „zu wenig Priester“ und „zu wenig Kirchgänger“ zu jener froh machenden und geisterfüllten Kommunikations- und Herzensprache zurückzukehren, welche die Menschen berührt wie am Pfingsttag:
„Und sie gerieten ausser sich vor Staunen …. Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören?“ (Apg 2,7-8)

Konsenspunkte

Wir erleben heute eine polarisierte Kirche auch an der Basis selbst. Es bleibt noch einiges zu tun, dass es zu einer „versöhnten Verschiedenheit“ kommt, in welcher selbst bei unterschiedlichen Sachansichten die Person in ihrer Würde und Kompetenz geachtet wird.

Wir stellen fest, dass die katholische Kirche in den Medien häufig einseitig wahrgenommen wird. Der Bischof und seine Mitarbeitenden sollen die Möglichkeit haben, in schwierigen Situationen für die Medienauftritte vermehrt ein Coaching beanspruchen zu können. Wir bitten die zuständigen staatskirchenrechtlichen Gremien, dafür auch die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen.

Der Wunsch nach einem klareren und transparenteren Verfahren bei der Bewältigung von Konflikten trifft auf offene Ohren bei der Bistumsleitung. Das persönliche Gespräch ist als erstes notwenig. Nach Möglichkeit ist frühzeitig eine Mediation einzubeziehen, wobei das Evangelium (Mt 18,14- 18)* für die Abläufe einen Massstab setzt.

Wir erkennen, dass der Bischof sich mit seinen Bischofsworten (Hirtenbriefen) an die zum Sonntagsgottesdienst versammelte Gemeinde wenden will. Wir stellen fest, dass verschiedene Seelsorgende diese Texte nicht mehr vortragen. Wir sehen Schwierigkeiten bei den Bischofsworten hinsichtlich der Sprache, Länge und Verständlichkeit vor allem aber auch bei der inhaltlichen Hinführung unserer Gläubigen zur jeweils aufgegriffenen Thematik. Eine intensive Gegenlesekultur könnte in Bezug auf sprachliche und inhaltliche Verständlichkeit manches verbessern. Wir unterstützen das Vorhaben, künftig für die Verkündigung von Bischofsworten (Hirtenbriefe) vermehrt auch andere Medien (Ton und Bild) einzusetzen.

*Mt 18,14-18 (nach Einheitsübersetzung)
„So will auch euer himmlischer Vater nicht, dass einer von diesen Kleinen verloren geht. Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.“