Finanzen und pastorale Prioritäten

Kurzfassung und Gesprächsergebnis

In den Kantonen und Landeskirchen des Bistums Basel hat sich das kirchliche Finanzierungssystem mit Kirchensteuern und Spenden aus Sicht der kirchlichen Basis grundsätzlich bewährt. In den letzten 50 Jahren haben sich aber die Rahmenbedingungen für das kirchliche Leben massiv verändert (Wohlstandsgesellschaft, Fürsorgestaat, Individualismus, Freizeitgestaltung, Rückgang Kirchenbesuch, Kirchenaustritte, Rückgang kirchlicher Berufe usw.). Verändert haben sich entsprechend auch finanzrelevante Aspekte.

Beispiele:

  • Verkündung und Liturgie waren früher “im Dorf” verankert (Kirche, Pfarrer, Pfarrhaus), heute viel mehr regional: Gottesdienstangebot, Spezialseelsorgen, Gruppenbetreuung.
  • Zu “Verkündigung und Liturgie im weiteren Sinne” gehören auch Kirchenkonzerte und die Bereitstellung von (oft teuren) Räumen für kulturelle und soziale Aktivitäten.
  • In der Diakonie ging die materielle Hilfe für Bedürftige an den Staat über; für Gotteslohn tätige Ordensschwestern in Pflegeberufen sind am Aussterben.
  • Finanzierungen auf Spendenbasis (Fastenopfer, Caritas usw.) sind gewachsen.

Staatskirchenrechtliche Strukturen (Kirchgemeinden, Landeskirchen, sog. “graue” Strukturen) sind mit Kirchensteuergeldern für den kirchlichen Grundbedarf zuständig; Spenden ermöglichen Zusätzliches. Die kirchlichen Amtsträger (“schwarze” Strukturen) legen pastorale Prioritäten fest. Diese Systeme sind aber verzahnt und über die Jahrzehnte undurchsichtig geworden.

Aus Sicht der kirchlichen Basis sind jetzt nötig:

  • Verbesserung der Transparenz der kirchlichen Finanzflüsse auf allen Ebenen (inkl. Bistum); einheitliche Begriffe.
  • Klare Trennung der kirchlichen Aufgabenbereiche aller Ebenen nach Pflichtbereich (Kirchensteuern) und Spendenbereich. Ausweis von Prioritäten und Posterioritäten.
  • Symmetrischere Partnerschaft zwischen “schwarzen” und “grauen” Organen in Finanzfragen (nicht Weisungsberechtigte und Weisungsempfänger); Verbesserung der Finanzprüfungsorgane im “schwarzen” Bereich”.
  • Klarere Positionierung des Spendenbereichs für Institutionen und Projekte als wichtige Ergänzung zu den Kirchensteuern; entsprechende Planung der Kollekten.
  • Wiederaufwertung der Diakonie mit kirchlichen Kräften, allerdings nicht mehr im Almosenbereich (kein Unterlaufen restriktiver Entscheide von Sozialbehörden mit kirchlichen Finanzmitteln), sondern durch persönliche Betreuungsdienste von Freiwilligen und deren Unterstützung durch Ehrenamtliche und professionelle Infrastrukturen, vor allem auf der Stufe Kirchgemeinde/Pfarrei.
  • Diakonieeinsätze sind mit reformierten und mit nichtkirchlichen Sozialgremien zu koordinieren und zu vernetzen. Keine Konkurrenz.
  • Die Tätigkeit von Freiwilligen und Ehrenamtlichen in der Kirche (in Diakonie, Liturgie und Verkündigung) ist aufzuwerten (Anerkennung, Mitsprache, Leistungsausweis).

Konsenspunkte

(5a-3) Kirchensteuermittel sollen im Wesentlichen auch den kirchlichen Grundbedarf auf Stufe Bistum und Stufe Schweiz abdecken; Spenden sollen diesen nur für bestimmte Institutionen und Projekte ergänzen.

(6) Freiwillige und ehrenamtliche Tätigkeit für kirchennahe Aufgaben (in Diakonie, Liturgie und Verkündigung) muss anerkannt, gesellschaftlich aufgewertet und gezielt gefördert und geführt werden.

(7-1) Die kirchlichen Organisationseinheiten aller Stufen müssen Transparenz und Vertrauen fördern und daher ihre finanziellen Mittel für Interessierte einsehbar machen (z.B. über das WWW). Ausnahmen sollen möglich bleiben, müssen aber definiert sein.

(8-1) Die mit der bischöflichen Regelung “Umgang mit kirchlichen Geldern auf Pfarreiebene” vom 1. Januar 2004 eingeführten Prüfvorschriften für kirchliche Spendengelder in den Pfarreien (“schwarzer” Bereich) sind umzusetzen. Transparenz muss auch in Bezug auf die Finanzprüfungsorgane im “schwarzen” Bereich gelten.