Ausgrenzung von Menschen (auch von Seelsorgenden) in besonderen Lebensituationen

Kurzfassung und Gesprächsergebnis

Vertretung der Bistumsleitung:
Weihbischof Denis Theurillat, Ulrike Zimmermann-Frank.

Das Gespräch fand in einer guten Atmosphäre statt. Es war geprägt von gegenseitiger Offenheit und Achtung. Wir konnten mit Freude feststellen, dass die Bistumsleitung ebenfalls auf der Suche nach gangbaren Lösungen ist:

Menschen in besonderen Lebenslagen sollen von Seiten unserer Kirche Toleranz und Unterstützung erfahren und in keiner Weise Ausgrenzung.

Es ist ihnen bewusst, wie viele Verletzungen und Schmerzen durch kirchenrechtliche Ausgrenzungen entstehen. Sie finden die meisten unserer Anliegen berechtigt.
Es stellte sich heraus, dass ihr Handlungsspielraum stark eingeschränkt ist durch gesamtkirchenrechtliche Vorgaben. Aus diesem Grund konnten sie einen
Grossteil unserer konkreten Vorschläge nicht aufnehmen. Dennoch ermutigten sie uns, weiter zu suchen und nicht aufzugeben. Noch mehr Mut wünscht die Arbeitsgruppe der Bistumsleitung, neue Schritte zu wagen und unsere Vorschläge als Diskussionsanstoss wahr zu nehmen und weiter zu verfolgen.

In unseren vorgängigen intensiven Gruppenzusammenkünften zeigte sich immer wieder das Grundanliegen:

I. Grundanliegen

Die Art und Weise, wie im Bistum Basel mit Menschen „in besonderen Lebenslagen“ umgegangen wird, soll geprägt sein vom Lebensbeispiel Jesu und von den Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils:

Gewissensentscheide sind zu respektieren und höher zu gewichten als kirchenrechtliche Einschränkungen.

Die christliche Ethik soll Zielvorgaben so geben, dass die Wandelbarkeit der Ideale immer mitbedacht und kein Urteil über individuelle Lebensentwürfe gefällt wird.

II. Folgerungen: Die Kirche begleitet den Menschen in allen Lebenslagen

  • II.1 Menschen in heterosexuellen Partnerschaften
  • II.2 Geschiedene und wieder verheiratete Geschiedene
  • II.3 Menschen in homosexuellen Partnerschaften
  • II.4 Priester, die in intimer Beziehung zu einer Frau oder zu einem Mann stehen

III. Erwartungen

Wir erwarten, dass das Bistum Basel seine Autonomie wahr nimmt und den Menschen in diesen Lebenslagen in eigener Verantwortung Anerkennung und Respekt zollt. Das Bistum Basel verbindet sich dazu mit andern Bistümern, welche die gleichen Lebenssituationen kennen und ähnliche Lösungsansätze versuchen.

KONSENSPUNKTE

1. In unserem Bistum bemühen wir uns auf allen Ebenen, die Menschen, die den kirchlichen Normen nicht entsprechen, in ihrer Gewissensüberzeugung zu achten.

2. Es ist uns schmerzhaft bewusst, dass momentan den wiederverheirateten Geschiedenen der Kommunionempfang nicht möglich ist.

3. Die seelsorgerliche Begleitung von Menschen, die in Trennung leben, ist uns ein grosses Anliegen. Wir suchen Möglichkeiten, ihre Lebenssituation vor Gott zu bringen.

4. Es ist uns ein Anliegen, dass Wege gefunden werden, wie Paaren im Falle einer zivilen Zweitheirat Kraft von Gott erbeten werden kann.

5. Homosexuelle Ausrichtung stellt kein Tabu-Thema dar. Es werden Möglichkeiten gesucht, homosexuell veranlagte Menschen in der kirchlichen Gemeinschaft zu integrieren.

6. Einem Priester, der aus dem Amt scheidet, sucht das Bischöfliche Ordinariat Möglichkeiten einer finanziellen Überbrückungshilfe.